Wunderbar krankheitsfördernde Bedingungen, aber keine Sorgen in Tijuana haben wir Apotheken (Farmacias) in unglaublicher Anzahl die uns gleich gescheite Medikamente geben (Ich wollte eigentlich nur Hustenzuckerl und bekam Antibiotika^^).
Ansonsten blieb alles bestens, jeden Tag sinke ich ein bisschen mehr in das mexikanische Lebensgefühl und meine Arbeit hier ein. Da gäbe es viele Dinge zu erzählen aber sobald die Möglichkeit da ist sich mittzuteilen, fehlen die Worte dazu.
Da gibt es unsere Juanita mit ihrer Familie die im Oratorium wohnt. Gestern haben sie ein Kind, die neunjährige Nayeli, bei sich aufgenommen weil die Mutter absolut kein Geld mehr für Lebensmittel hat. Deren Mann ist in die U.S.A. oder wie man hier, gleich abfällig wie ehrfuchtsvoll, sagt auf "die andere Seite" - "el otro lado" abgehauen und hat sie mit den Kindern stehen lassen. Juanita hat mir erzählt das das arme Mädchen die gesamte letzte Woche bis sieben uhr abends nicht gegessen hat und auch da nur kümmerlichst.
Viele der Kinder die unsere Schule besuchen kommen solchen Verhältnissen. Familie Acosta Perez zum Beispiel hat 5 Kinder bei uns in der Schule, im gesamten sind es aber 14. Der kleinste ist 1 Woche alt, der älteste hat selber schon wieder Kinder.

Fam. Acosta Perez mit Teresia V.l.n.R.: Norma, Mayra, Maxi, Teresia, Roberto, Irwin, Alonso, Elsa, Emanuel
Familie Acosta Perez kam aus einem kleinen Dorf im Bundesstaat Guerrero vor 5 Monaten, auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben, nach Tijuana. Jedoch auch hier müssen sie um ihr Überleben kämpfen: der Vater ist in die U.S.A. illegal als Obstpflücker arbeiten gegangen, hat aber nur alle 2 Wochen 800 Pesos (45 euro) schicken können.
Deswegen müssen auch die Kinder mit allen Kräften mithelfen. Emanuel (14) und Miguel (9) halten am Grenzübergang (auf der "Linea") Passagieren die Taxitüren auf und hoffen auf Trinkegeld. Elsa (12), Roberto (8) und Maxi (7) helfen ihrer Mutter am Markt verkaufen oder schleppen die Ware für andere Verkäufer. Sogar der 6-jährige Alonso hilft Tragen mit einer rucksackartigen Tragetasche aus Holz.
Miguel(9) schläft nach einem langen Arbeitstag an der Linea
Diese Kinder haben wenig Chance in anderen Schulen aufgenommen zu werden (entweder Kosten sie zu viel oder es fehlen die nötigen Papiere), deswegen kommen sie ins Oratorium in die Schule. Wenn sie einmal ihre Schulaufbahn abschließen, haben sie damit die Chance es einmal besser zu haben als ihre Eltern.
Roberto und ich beim Kaffee mit sehr viel Zucker wie man an meinem Gesicht sieht :-)
Dieser Schicksale gibt es hier viele und an sie richtet sich das Proyecto Salesiano ganz besonders (diese Fotos sind zum Beispiel entstanden als wir diesen Sonntag, wie jede Woche, eine Kiste Brot für die folgende Woche vorbeigebracht haben). Ein kleine Geschichte aus meinem Alltag die ein bisschen von den Menschen erzählen soll die ich hier kennenlernen darf.
Mit liebsten Grüßen
Max
Mit den
Buben in der Schulpause

